Trauerbeflaggung in Deutschland
Veröffentlicht Verfasst von Flagpole Guides

Trauerbeflaggung heißt in Deutschland, dass Flaggen auf halbmast gesetzt oder, wo das nicht möglich ist, mit einem schwarzen Trauerflor versehen werden. Anders als viele feste Beflaggungstage wird Trauerbeflaggung meist für einen bestimmten Anlass angeordnet. Wer anordnet und für welche Gebäude, regelt der Beflaggungserlass der Bundesregierung. Wie die Flagge im Einzelnen gesetzt wird, beschreibt der Ratgeber Halbmast.
Feste Gedenktage mit Trauerbeflaggung

Zwei Tage im Jahr sind im Beflaggungserlass als Tage mit halbmast festgelegt:
- 27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Er erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945 und gehört seit dem Beflaggungserlass von 2000 zu den regelmäßigen Beflaggungstagen.
- Volkstrauertag. Er ist der zweite Sonntag vor dem ersten Advent und erinnert an die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft.
Hinzu kommt der 11. März, der Nationale Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt. Er ist kein regelmäßiger Beflaggungstag im Sinne des Erlasses, doch das Bundesministerium des Innern ordnet laut Protokoll Inland seit 2022 jedes Jahr bundesweit Trauerbeflaggung an.
Trauerbeflaggung aus besonderem Anlass
Über die festen Tage hinaus ordnet das Bundesministerium des Innern Trauerbeflaggung für die Dienstgebäude des Bundes an, gegebenenfalls im Einvernehmen mit den zuständigen Fachministerien. In Fällen von besonderer Bedeutung entscheidet nach Abschnitt III des Erlasses die Bundesregierung. Solche Anordnungen veröffentlicht Protokoll Inland als Beflaggungsanordnungen.
Für den Tod ausländischer Staatsoberhäupter und Botschafter sieht der Erlass besondere Regeln vor:
| Anlass | Beflaggt werden | Tag |
|---|---|---|
| Tod eines ausländischen Staatsoberhaupts | oberste Bundesbehörden in Berlin und Bonn | Tag der offiziellen Trauerfeierlichkeiten |
| Tod eines in Deutschland akkreditierten Botschafters | Auswärtiges Amt in Berlin und Bonn | Tag der Überführung in das Heimatland |
In beiden Fällen ordnet das Bundesministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt an. Betrifft ein Anlass nur eine einzelne Verwaltung, kann deren zuständige Stelle nach dem Erlass die Beflaggung ihrer eigenen Gebäude anordnen.
Bund und Länder
Die Länder ordnen für ihre Behörden selbst Trauerbeflaggung an. Nach Protokoll Inland prüft der Bund bei jeder Trauerbeflaggung eines Landes, ob und in welchem Umfang auch die Bundesdienststellen im betreffenden Land trauerbeflaggen. Umgekehrt gilt eine Anordnung des Bundes zunächst nur für die Bundes- und die Europaflagge; Landes- und Gemeindeflaggen bleiben vollmast, sofern keine eigene Anordnung vorliegt. Wenn das Bundesministerium des Innern ein einheitliches Vorgehen der Länder und Gemeinden anstrebt, verständigt es nach dem Erlass die Landesregierungen.
Trauerbeflaggung und Staatsbesuch
Fällt eine Trauerbeflaggung mit einem Staatsbesuch zusammen, beschreibt Protokoll Inland eine besondere Lösung: Bundes- und Europaflagge erhalten einen Trauerflor, statt auf halbmast gesetzt zu werden. So wird sowohl dem Gast als auch dem Trauerfall Respekt erwiesen, ohne dass halbmast und vollmast nebeneinander zu sehen sind. Einen seltenen Sonderfall beschreibt Protokoll Inland für den 27. Januar 2010: Mit Einverständnis Israels wurden während des Besuchs von Staatspräsident Peres auch die israelischen Flaggen entlang der Protokollstrecke auf halbmast gesetzt.
Die Flagge beim Staatsbegräbnis
Beim staatlichen Trauerzeremoniell bedeckt nach Protokoll Inland die Bundesdienstflagge den Sarg. Die Standarte des Bundespräsidenten wird nur beim Tod des amtierenden Bundespräsidenten auf halbmast gesetzt.
Trauer im privaten Umfeld

Für Privatpersonen, Vereine und Unternehmen gibt es keine Regel, wann halbmast geflaggt wird. Ob bei einem Todesfall in der Familie, im Verein oder im Unternehmen halbmast geflaggt wird, ist eine persönliche Entscheidung. Wer sich einer öffentlichen Trauerbeflaggung anschließt, kann dieselben Zeiten und denselben Ablauf wie die Behörden wählen. Mehr dazu im Ratgeber Halbmast und im Ratgeber zum Flaggenprotokoll.
Häufige Fragen
Wann wird in Deutschland Trauerbeflaggung angeordnet?
Der Beflaggungserlass sieht Trauerbeflaggung ohne besondere Anordnung am 27. Januar und am Volkstrauertag vor. Aus besonderem Anlass ordnet das Bundesministerium des Innern Trauerbeflaggung für die Dienstgebäude des Bundes an, in Fällen von besonderer Bedeutung entscheidet die Bundesregierung. Die Länder können für ihre Behörden eigene Trauerbeflaggung anordnen.
Wird beim Tod eines ausländischen Staatsoberhaupts in Deutschland halbmast geflaggt?
Nach Abschnitt III Absatz 2 des Beflaggungserlasses ordnet das Bundesministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt Trauerbeflaggung für die obersten Bundesbehörden in Berlin und Bonn an, und zwar für den Tag der offiziellen Trauerfeierlichkeiten.
Darf man privat halbmast flaggen, wenn ein Angehöriger stirbt?
Ja. Für private Masten gibt es keine Vorschrift, die das regelt oder verbietet. Ob und wie lange privat halbmast geflaggt wird, ist eine persönliche Entscheidung.
Wie lange dauert eine Trauerbeflaggung?
Das legt die jeweilige Anordnung fest. Beim Tod eines ausländischen Staatsoberhaupts gilt sie nach dem Beflaggungserlass für den Tag der offiziellen Trauerfeierlichkeiten. Nach dem Beflaggungserlass werden Flaggen bei mehrtägiger Beflaggung bei Sonnenuntergang eingeholt und am Morgen wieder gehisst; angestrahlte Flaggen können durchgehend auf halbmast bleiben.
Quellen
Der Ratgeber stützt sich auf folgende Quellen:
- Erlass der Bundesregierung über die Beflaggung der Dienstgebäude des Bundes vom 22. März 2005, Abschnitte II, III und V – Bundesministerium des Innern
- Arten der Beflaggung – Trauerbeflaggung – Protokoll Inland der Bundesregierung
- Besondere Beflaggungsanordnungen – Protokoll Inland der Bundesregierung
- Bundesdienstflagge als Sargdecke – Protokoll Inland der Bundesregierung
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