Rot-Weiß-Rot: Bedeutung und Geschichte der österreichischen Fahne
Veröffentlicht Verfasst von Flagpole Guides

Rot-Weiß-Rot hat eine lange Geschichte. Die Farben gehen auf das Mittelalter zurück, waren lange das Zeichen des Herzogtums Österreich und wurden erst 1918 zur Flagge des ganzen Staates. Heute stehen sie in Art. 8a des Bundes-Verfassungsgesetzes. Die folgende Darstellung stützt sich vor allem auf einen Beitrag des Innenministeriums über die Symbole der Republik.
Der Bindenschild der Babenberger
Die Farben werden von den letzten Babenbergern abgeleitet. Die älteste Abbildung des österreichischen Bindenschildes – ein weißer Balken im roten Feld – findet sich auf einem Reitersiegel Herzog Friedrichs II. („des Streitbaren“), das an einer Urkunde für das Stift Lilienfeld vom 30. November 1230 hängt. Die Babenberger haben den Bindenschild höchstwahrscheinlich von den Grafen von Hohenburg-Wildberg übernommen, den Herren der Grafschaft Poigen im Waldviertel. Seit dem Siegel von 1230 führten die österreichischen Herzöge den Bindenschild als Wappen.
1232 werden die Farben zum ersten Mal erwähnt: Im „Fürstenbuch“ des Jans Enikel ist beschrieben, wie Friedrich II. zu seiner Schwertleite 200 junge Edelleute in rot-weiß-rote Gewänder kleidete.
Die Legende von Akkon
Bekannter als das Siegel ist die Legende: Herzog Leopold V. soll 1191 bei der Belagerung von Akkon so heftig gekämpft haben, dass sein weißer Waffenrock vom Blut rot getränkt war – bis auf den Streifen unter dem Schwertgurt. Laut dem Beitrag des Innenministeriums ist diese Geschichte historisch nicht belegbar. Eine amtliche Deutung der Farben gibt es in Österreich nicht.
Vom Herzogtum zur Seeflagge
Als Heerfahne ist Rot-Weiß-Rot im 14., 15. und 16. Jahrhundert mehrmals nachweisbar. In den Jahrhunderten, in denen die Habsburger Kaiser des Heiligen Römischen Reichs waren, verdrängte das schwarz-gelbe kaiserliche Banner die rot-weiß-rote Fahne weitgehend. Sie erschien vor allem bei Erbhuldigungen, Festzügen und auf Ehrenpforten.
Am 20. März 1786 führte Kaiser Joseph II. eine rot-weiß-rote Kriegs-, National- und Seeflagge ein, mit dem Bindenschild unter einer Krone im vorderen Teil des weißen Streifens. Sie diente bis 1869 als Handelsflagge und bis 1918 als Kriegsflagge.
1918: Die Flagge der Republik
Am 31. Oktober 1918, noch vor der Ausrufung der Republik, legte der Staatsrat auf Vorschlag des späteren Bundespräsidenten Wilhelm Miklas Rot-Weiß-Rot als Staatsfarben fest. Bei der Ausrufung der Republik vor dem Parlament am 12. November 1918 sollten rot-weiß-rote Fahnen gehisst werden. Angehörige der kommunistischen „Roten Garden“ rissen jedoch den weißen Mittelstreifen heraus und hissten die verknoteten roten Tücher.
Rechtlich festgehalten wurde die Flagge im Gesetz über die Staatsform vom 21. Oktober 1919: Die Flagge der Republik bestehe aus drei gleich breiten waagrechten Streifen, der mittlere weiß, der obere und der untere rot.
Ständestaat, NS-Zeit und Zweite Republik
- 1934–1938: Die Verfassung von 1934 hielt die Farben Rot-Weiß-Rot fest. Ein Flaggengesetz von 1936 stellte daneben die Kruckenkreuzflagge mit Kruckenkreuz und grünem Sparren der Staatsflagge gleich.
- 1938–1945: Unter der NS-Herrschaft war die rot-weiß-rote Fahne verboten.
- 1945: Das Wappengesetz vom 1. Mai 1945 führte Rot-Weiß-Rot wieder ein.
- 1955/1956: Nach dem Staatsvertrag wurde der 26. Oktober als „Tag der österreichischen Fahne“ begangen; 1965 wurde daraus der Nationalfeiertag.
- 1981: Eine Novelle des Bundes-Verfassungsgesetzes fügte Art. 8a ein, der Farben, Flagge und Bundeswappen in der Verfassung verankert.
- 1984: Das heutige Wappengesetz beschreibt Flagge, Dienstflagge, Wappen und Siegel und regelt ihren Gebrauch.
Das Bundeswappen auf der Dienstflagge

Auf der Dienstflagge des Bundes steht das Bundeswappen: nach Art. 8a Abs. 2 B-VG ein freischwebender, einköpfiger schwarzer Adler mit rotem, von einem silbernen Querbalken durchzogenem Brustschild, goldener Mauerkrone, einer goldenen Sichel im rechten und einem goldenen Hammer im linken Fang und einer gesprengten Eisenkette. Laut Innenministerium beschloss die Nationalversammlung den einköpfigen Adler am 8. Mai 1919. Hammer, Sichel und Mauerkrone stehen für Arbeiterschaft, Bauernschaft und Bürgertum; mit dem kommunistischen Symbol haben sie nichts zu tun. Die gesprengte Kette kam 1945 als Zeichen der Befreiung dazu.
Die Farbe Rot
Die Verfassung legt keinen Farbton fest. Die Fahnenordnung des Bundesheeres schreibt für ihren Bereich vor, dass das Rot der Staatsfarben die Charakteristik Pantone 186 C hat.
Verwechslungsgefahr
Der Beitrag des Innenministeriums nennt drei weitere Staaten mit rot-weiß-roten Flaggen: Peru mit senkrechten Streifen, Lettland mit karminroten Streifen und einem nur etwa halb so breiten weißen Mittelstreifen und den Libanon mit einem breiten weißen Mittelstreifen und einer Zeder. Die Farben der Bundesländer beschreibt der Ratgeber zu den Landesfahnen, die Geschichte von Fahne und Mast der Ratgeber zur Geschichte des Fahnenmasts.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Farben der österreichischen Fahne?
Eine amtliche Deutung der Farben gibt es nicht. Rot-Weiß-Rot geht auf den Bindenschild der Babenberger zurück, das Wappen der Herzöge von Österreich. Die bekannte Legende vom blutgetränkten Waffenrock Herzog Leopolds V. bei Akkon ist laut einem Beitrag des Innenministeriums historisch nicht belegbar.
Wie alt ist die österreichische Flagge?
Die älteste Abbildung des Bindenschildes findet sich auf einem Reitersiegel Herzog Friedrichs II. an einer Urkunde für das Stift Lilienfeld vom 30. November 1230. Die Farben Rot-Weiß-Rot werden 1232 erstmals erwähnt. Als Flagge der Republik wurde Rot-Weiß-Rot am 31. Oktober 1918 als Staatsfarbe festgelegt.
Ist das Rot der österreichischen Fahne festgelegt?
Die Verfassung nennt nur die Farben. Die Fahnenordnung des Bundesheeres legt für ihren Bereich fest, dass das Rot in den österreichischen Staatsfarben die Charakteristik Pantone 186 C aufweist.
Was stellt das Bundeswappen dar?
Nach Art. 8a Abs. 2 B-VG einen freischwebenden, einköpfigen schwarzen Adler mit rot-weiß-rotem Brustschild, goldener Mauerkrone, Sichel und Hammer und einer gesprengten Eisenkette. Laut Innenministerium stehen Hammer, Sichel und Mauerkrone für Arbeiterschaft, Bauernschaft und Bürgertum, die gesprengte Kette für die Befreiung 1945.
Welche anderen Länder haben rot-weiß-rote Flaggen?
Der Beitrag des Innenministeriums nennt Peru mit senkrechten Streifen, Lettland mit karminroten Streifen und schmalerem weißem Mittelstreifen und den Libanon mit einer Zeder im breiten weißen Mittelstreifen.
Quellen
Der Ratgeber stützt sich auf folgende Quellen:
- Die Symbole der Republik, Öffentliche Sicherheit 11-12/2006 – Bundesministerium für Inneres
- Bundes-Verfassungsgesetz, Art. 8a – Bundeskanzleramt, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Wappengesetz, BGBl. Nr. 159/1984 – Bundeskanzleramt, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Fahnenordnung des Österreichischen Bundesheeres, VBl. I Nr. 63/2018 – Bundesministerium für Landesverteidigung
- Tag der Fahne – Universität Wien, Themendossiers zur historisch-politischen Bildung
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