Die Schweizerfahne: Bedeutung von Kreuz, Farben und Form
Veröffentlicht Verfasst von Flagpole Guides

Ein weisses Kreuz auf rotem Grund, in einem quadratischen Feld: Die Schweizerfahne gehört zu den bekanntesten Nationalflaggen und ist zugleich eine der ungewöhnlichsten. Ihr Bild ist identisch mit dem Wappen, ihre Form ist quadratisch, und ihre umgekehrten Farben sind zum Zeichen des Roten Kreuzes geworden. Was sie bedeutet, lässt sich aus dem Recht, aus dem Fahnenreglement der Armee und aus der Geschichtsschreibung ablesen.
Das Kreuz
Das Schweizerkreuz ist ein ursprünglich christliches Symbol. Das Historische Lexikon der Schweiz nennt drei Deutungen seiner Herkunft:
- die thebäische Legion, deren Kult besonders im burgundischen Königreich verbreitet war,
- die ab dem 12. Jahrhundert nachgewiesene Reichssturmfahne,
- die arma Christi, die Leidenswerkzeuge Jesu, die in der Innerschweiz verehrt wurden und die die Urschweizer Orte angeblich ab 1289 auf das rote Blutbanner heften durften.
Als gemeinsames Erkennungszeichen trugen die Berner das durchgehende weisse Kreuz 1339 in der Schlacht bei Laupen auf den Kleidern, aufgenäht aus zwei Stoffbändern. Es unterschied sie vom roten Georgskreuz der Österreicher und vom burgundischen Andreaskreuz der Landsknechte. Erst Ende des 15. Jahrhunderts entwickelte es sich zum eigentlichen nationalen Zeichen der Eidgenossen.
Heute beschreibt das Wappenschutzgesetz das Kreuz genau: aufrecht, freistehend, weiss, mit gleich langen Armen, die je einen Sechstel länger als breit sind. Das Fahnenreglement der Armee beschreibt die Fahne als Symbol für die Einheit und den Zusammenhalt des Bundesstaates.
Die Farben
Rot und Weiss sind die eidgenössischen Farben. Seit 2017 ist das Rot im Wappenschutzgesetz verbindlich definiert:
| Farbsystem | Wert |
|---|---|
| Pantone | 485 C / 485 U |
| CMYK | 0 / 100 / 100 / 0 |
| RGB | 255 / 0 / 0 |
| Hexadezimal | #FF0000 |
| RAL | 3020 Verkehrsrot |
| NCS | S 1085-Y90R |
| Scotchcal | 100-13 |
Das Weiss ist im Gesetz nicht definiert. Militärische Fahnen und Standarten tragen nach dem Fahnenreglement eine Schleife in den eidgenössischen Farben Rot und Weiss.
Die quadratische Form

Nach dem Fahnenreglement der Armee geht die Schweizerfahne auf die militärischen Feldzeichen zurück, und das ist auch der Grund für ihre quadratische Form. In ihrer an Land gebräuchlichen Ausführung ist sie neben der Flagge des Vatikanstaates die einzige quadratische Nationalflagge der Welt. Das Reglement weist auf zwei weitere Besonderheiten hin: Die Schweiz ist der einzige Staat, dessen Wappen und Fahne genau dasselbe Bild zeigen, und weil dieses Bild vollkommen symmetrisch ist, kann die Schweizerfahne als einzige Nationalflagge nicht verkehrt gehisst werden.
Zur See führen Schweizer Schiffe die Schweizerflagge zur See im Verhältnis 2:3, wie es das Seeschifffahrtsgesetz festlegt.
Fahne und Wappen
Auch wenn Fahne und Wappen dasselbe Bild zeigen, unterscheidet das Recht sie streng. Das Schweizerwappen ist das Schweizerkreuz in einem Dreieckschild und darf nach Artikel 8 WSchG grundsätzlich nur vom Bund gebraucht werden. Die Schweizerfahne dürfen nach Artikel 10 WSchG alle gebrauchen, solange der Gebrauch nicht irreführend ist und nicht gegen die öffentliche Ordnung, die guten Sitten oder geltendes Recht verstösst. Das Schweizerkreuz kann zudem als Herkunftsangabe für Waren und Dienstleistungen verwendet werden; dann gelten nach Artikel 13 WSchG die Swissness-Regeln des Markenschutzgesetzes.
Die Verbindung zum Roten Kreuz
Das Zeichen des Roten Kreuzes ist die Schweizerfahne in umgekehrten Farben. Artikel 38 des I. Genfer Abkommens von 1949 hält fest: Zu Ehren der Schweiz wird das durch Umstellung der eidgenössischen Farben gebildete Wappenzeichen des roten Kreuzes auf weissem Grund als Schutz- und Erkennungszeichen des Sanitätsdienstes beibehalten. Wegen dieser Ehrung und der möglichen Verwechslung verbietet Artikel 53 des Abkommens Privatpersonen und Firmen, das Wappen der Schweiz als Fabrik- oder Handelsmarke oder zu einem gegen die kaufmännische Ehrbarkeit verstossenden Zweck zu verwenden.
Kantons- und Gemeindefahnen
Neben der Schweizerfahne haben die 26 Kantone und die meisten Gemeinden eigene Fahnen, die das kantonale Recht bestimmt. Viele gehen auf mittelalterliche Banner zurück, etwa der Stier von Uri oder der Bär von Bern. Wie sich die Schweizerfahne aus diesen Fahnen und den Feldzeichen entwickelt hat, steht im Ratgeber zur Geschichte der Schweizerfahne.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Kreuz auf der Schweizerfahne?
Das Historische Lexikon der Schweiz nennt drei Deutungen für das ursprünglich christliche Symbol: die thebäische Legion, die ab dem 12. Jahrhundert belegte Reichssturmfahne und die Leidenswerkzeuge Christi, die in der Innerschweiz verehrt wurden. Als gemeinsames Erkennungszeichen trugen die Berner das weisse Kreuz 1339 in der Schlacht bei Laupen.
Warum ist die Schweizerfahne quadratisch?
Nach dem Fahnenreglement der Armee geht die Schweizerfahne auf die militärischen Feldzeichen zurück, und das ist auch der Grund für ihre quadratische Form. Neben der Flagge des Vatikanstaates ist sie die einzige quadratische Nationalflagge.
Hat das Rote Kreuz etwas mit der Schweizerfahne zu tun?
Ja. Artikel 38 des I. Genfer Abkommens von 1949 hält fest, dass das Zeichen des roten Kreuzes auf weissem Grund zu Ehren der Schweiz durch Umstellung der eidgenössischen Farben gebildet wurde. Artikel 53 verbietet deshalb auch die Verwendung des Schweizerwappens als Marke durch Private.
Welches Rot hat die Schweizerfahne?
Das Wappenschutzgesetz definiert das Rot in Anhang 2 unter anderem als Pantone 485 C, RGB 255/0/0, Hexadezimal #FF0000 und RAL 3020 Verkehrsrot. Das Weiss ist im Gesetz nicht definiert.
Quellen
Der Ratgeber stützt sich auf folgende Quellen:
- Schweizerkreuz – Historisches Lexikon der Schweiz
- Wappenschutzgesetz (WSchG), SR 232.21, Art. 1–3, 8, 10 und 13, Anhang 2 – Fedlex, Bundeskanzlei
- Reglement 51.340 d: Der Umgang mit Fahnen, Standarten und Fanions (Fahnenreglement), Kapitel 1.2 und Anhang 1 – Schweizer Armee
- Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde (I. Genfer Abkommen), SR 0.518.12, Art. 38 und 53 – Fedlex, Bundeskanzlei
- Swissness – Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum
Verwandte Ratgeber
- Geschichte der SchweizerfahneGeschichte der Schweizerfahne: weisses Kreuz bei Laupen 1339, Flammenfahnen, helvetische Trikolore, Dufours Bundesfahne von 1840 und das Wappen von 1889.
- Regeln für die BeflaggungWelche Regeln für die Schweizerfahne gelten: Wappenschutzgesetz, Weisungen des Bundesrates, Fahnenreglement, Uhrzeiten, Schutz im Strafrecht und Kantonsfahnen.
- FahnengrössenWelche Fahnengrösse zu welchem Mast passt: das Verhältnis 4:1 im Fahnenreglement, die Tabelle des Schweizer Fachhandels und die Proportionen der Fahne.
- FahnenartenFahnenarten in der Schweiz: Hissfahne, Hängefahne, Auslegerfahne, Knatterfahne, Schweizerflagge zur See und Vereinsfahne – mit Regeln zum Aufhängen.